Großer Erfolg des diesjährigen Literaturkurses 12
Am 3. und 4. Juni führte der diesjährige Literaturkurs 12 unter Leitung von Philipp Schmolke unter großem Applaus Nuran David Calis' Neufassung von Frank Wedekinds Klassiker Frühlings Erwachen auf.
Lesen Sie hier die Rezension von Dietmar Fratz aus der Kölnischen Rundschau vom 06.06.09:
Eine beachtenswerte Leistung
Als Frank Wedekind sein Drama „Frühlings Erwachen“ 1891 schrieb, kratzte er damit Tabuthemen um Sexualität und Pubertät an, was ihm reichlich Kritik eintrug. Inzwischen sind die Tabus gefallen, die Probleme der Jugendlichen auf der Schwelle zum Erwachsensein jedoch geblieben. Nuran David Calis hat den Stoff vor fünf Jahren neu geschrieben. Entlang des Wedekindschen Gerüsts hat er die Story um die 15-Jährigen, die sich zwischen Anspruch und Wirklichkeit verlieren, ins 21. Jahrhundert gehievt.
Der Literaturkurs der Stufe 12 des Bergheimer Erftgymnasiums hat mit Fachlehrer Philipp Schmolke die populäre Schullektüre im Unterricht erarbeitet und jetzt in zwei Vorstellungen in der Aula des Gymnasiums auch auf die Bühne gebracht.
Ausgehend vom immer aktuellen Mutter-Tochter-Konflikt, im Verlauf um einen Vater-Sohn-Konflikt erweitert, trifft sich die Gruppe Jugendlicher am Brunnen in unterschiedlichen Konstellationen, um sich über die Achterbahnfahrt ihres wild pubertierenden Daseins auszutauschen. Nachdenklich reflektieren die Teenies ihre Schwierigkeiten mit Eltern, Beziehungen und mit dem Leben an sich, um dann unvermittelt, ihre Unsicherheit überspielend, aufzubrausen.
Bisweilen gelang der Bruch so scharfkantig, dass flapsige Komik in dramatischer Situation für amüsiertes Gelächter sorgte, das freilich dank der Ernsthaftigkeit, mit der die Gymnasiasten ihre Rollen spielten, umgehend im Halse stecken blieb.
Angst um die Gegenwart und zerbrechliche Lebensträume, unerfüllte oder unmögliche Liebe, ungewollte Schwangerschaft aufgrund fehlender Aufklärung, Gewalt im Elternhaus: Die alltäglichen Fallstricke des Lebens kristallisierten sich immer dann heraus, wenn die schwärmerischen, oft katzigen Mädchen auf die flausköpfigen, aber nicht oberflächlichen Jungen trafen und erkannten, dass sie auch untereinander oft unverstanden blieben. Die Konflikte steigern sich bis zum Freitod zweier Protagonisten.
Ergreifend wurde das Schauspieler-Ensemble der Tiefgründigkeit gerecht, paarte sichtliche Spielfreude und Lust am schnellen Gag souverän mit seriöser Pflege des Spannungsbogens. Für besondere Erheiterung sorgte aufflackerndes Lokalkolorit, als die Frühlingserwachten sich den Sommer ihres Lebens erträumten: „Nicht in Bergheim, nicht mit Dorfdisco und Ein-Euro-Shops“ war wohl eher als Losung zu verstehen, nicht wie die Eltern zu werden, die sich auch durch die Selbsttötungen nicht davon abbringen ließen, ihre eigenen gescheiterten Lebensentwürfe weiterhin als Ideale zu verkaufen.
Als Unterrichtslektüre ist der Stoff nach wie vor lebensnah und intensiv. Die Leistung der Schülerinnen und Schüler, dies angemessen und mit schauspielerischem Niveau darzustellen, verdient Beachtung und Anerkennung.