Vorwort
Das Erftgymnasium kann auf 160 Jahre des Bestehens zurückblicken, die sich uns als wechselvolle Geschichte in Erinnerung rufen.
"Alles fließt" mag man mit Heraklit anlässlich eines solchen Jubiläums sagen oder den Anfang des Gedichtes "Erinnerung und Hoffnung" von Karl Försters zitieren, wo es heißt: "Was vergangen, kehrt nicht wieder", doch kann sich daraus keine Gleichgültigkeit gegenüber unserer Vergangenheit ableiten, denn es ist geradezu die Aufgabe der Schule, die Wandlungs- und Entwicklungsfähigkeit ständig unter Beweis zu stellen. Schulen müssen sich immer wieder aufs Neue an der jeweiligen Gesellschaft orientieren und eine Verantwortung für eine zukunftorientierte, leistungsfähige Ausbildung der Schülerinnen und Schüler tragen.
Wenn wir was durchaus häufig geschieht Jubiläumsabiturienten durch das Gebäude führen, wird uns deutlich, wie sich Tradition und Zukunftsorientierung im heutigen Erscheinungsbild des Erftgymnasiums treffen. Nachdenklich durchschreitet so mancher unserer Gäste die Tür seines ehemaligen Klassenzimmers, das ihm die Erinnerungen an viele Erlebnisse wach ruft. Doch nur wenige Schritte davon entfernt verblüffen ihn gut ausgestattete naturwissenschaftliche Räume oder moderne Computerarbeitsplätze, die heute aus dem schulischen Alltag nicht mehr wegzudenken sind. So wird für viele Besucher das Vergangene greifbar gegenwärtig.
Es gehört zum Selbstverständnis einer Schule und einer Gesellschaft, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen, denn die Beschäftigung damit entfacht einen kreativen Prozess.
Ich danke Herrn Oliver Großmann für die Bereitschaft, das Erftgymnasium in Vergangenheit und Gegenwart zu beleuchten, neue Quellen zu erschließen und die Lücke in unserer Aufzeichnung bis in das Jahr 2002 hinein zu schließen. Er kann sich dabei auf die wertvolle Vorarbeit von Dr. Franzjosef Wiskirchen stützen, dessen umfangreiche Chronik von den Anfängen der Ritter-Akademie zu Bedburg bis in das Jahr 1983 reicht und im vorliegenden Werk die Grundlage für den ersten Teil bildet. Für die Zukunft wünsche ich unserer Traditionsschule weiteres Gedeihen, das Vermögen, aus der Geschichte Lehren zu ziehen und den ständigen Wandlungs und Erneuerungsprozess als Herausforderung anzunehmen, damit wir die jungen Menschen, die in unsere Obhut gegeben sind, optimal auf das Leben vorbereiten können!
Bergheim, im September 2002
Dr. F-J. Hummelsheim
Rückblende - die Geschichte der Schule von 1842 bis 1983
Auszüge aus der Schulgeschichte bis 1983 von Dr. Franzjosef Wiskirchen
1. Gründung der Ritter-Akadamie 1. Mai 1842
Gründung der Ritter Akademie zu Bedburg als humanistische Lehr und Erziehungsanstalt durch die Genossenschaft des Rheinischen ritterbürtigen Adels. Untergebracht war diese schulische Anstalt im Schloss Bedburg. Um die Schülerzahl der Akademie zu steigern, wurden bald auch die Söhne aus bürgerlichen Familien zugelassen, so dass sich die Anzahl der Schüler in den folgenden Jahren erfreulich vermehrte.
Der Lehrplan umfaßte die sogenannten wissenschaftlichen Fächer und die Disziplinen, die der körperlichen Ertüchtigung dienen sollten. Zum wissenschaftlichen Bereich gehörten neben der Muttersprache das Lateinische, Griechische und Französische. Die französische Sprache sollten die Schüler bis zur vollkommenen Fertigkeit im mündlichen und schriftlichen Ausdruck beherrschen. Lateinische Konversation während des Unterrichts oder bei festlichen Anlässen in vorgeformter Rede waren nicht selten.
Zu den wissenschaftlichen Fächerbereichen zählten außerdem auch Religion, Geographie, Geschichte, Mathematik, Naturlehre, Propädeutik der Philosophie, die Kalligraphie (Schönschrift), das Zeichnen und der Gesang.
Eine Differenzierung der Fächer in naturwissenschaftliche und musische nahm man nicht vor.
Neben der wissenschaftlichen Ausbildung wurde großer Wert auf die körperliche Ertüchtigung gelegt. In diese Sparte gehörten der Reitunterricht, das Schwimmen, Fechten, Tanzen und die Gymnastik. Die Breite des Fächerangebots sowie die Gleichrangigkeit von "geistiger" und "körperlicher" Bildung erscheint uns aus heutiger Sicht als modern und fortschrittlich, vielleicht auch deshalb, weil in den ersten Jahrzehnten unseres Jahrhunderts der sportliche und musische Bereich in den Lehrplänen aller Schulformen eher stiefmütterlich behandelt wurde.
So entwuchs die Gesamterziehung und Formung der jungen Menschen, wie sie an der Ritter-Akademie vollzogen wurde, einem Bildungsideal, das sowohl klassisch humanistische als auch höfisch mittelalterliche Züge gleichermaßen in sich vereinigte. Mit den Mitteln der Liebe und Strenge durch ununterbrochene Hinweisung auf die Vorschriften der Religion, wie es im Reglement der Anstalt hieß, sollten die Zöglinge zu einer echten christlichen Lebensführung angehalten werden.
Durch das Fernhalten vorgefaßter Meinungen für oder gegen den einen oder anderen Stand erzogen die Lehrer ihre Schüler zur Achtung eines jeden Menschen.
Der wissenschaftliche Unterricht der Akademie war so angelegt, daß die Zöglinge den Anforderungen eines späteren Universitätsstudiums gewachsen waren. Diejenigen Jungen, die in den Militärdienst eintreten wollten, konnten nach erfolgreicher Absolvierung des Sekundakurses davon ausgehen, nach militärischer Schulung später einmal das Examen als Portepeefähnrich oder als Offizier erfolgreich abzulegen.
Das Erziehungs und Bildungsreglement der Anstalt war, was seinen Ansatz betrifft, dual; allerdings blieb die Erziehung als solche ganzheitlich und ungeteilt.
Die fundierte Ausbildung der Schüler wurde nicht zuletzt auch deshalb in hohem Maße gewährleistet, weil die Lehrer neben ihrem Schuldienst oftmals selber noch wissenschaftlich arbeiteten.
2. Festkalender im 19. Jahrhundert
Manchen sich im Jahresrhythmus wiederholenden Gedenktag, kirchlichen Feiertag oder vom Unterrichtsschema vorgegebenen Termin beging man an der Rheinischen Ritter-Akademie festlich.
Das Schuljahr wurde meist Mitte Oktober durch ein feierliches Hochamt eröffnet, an dem das gesamte Lehrerkollegium und die Schülerschaft teilnahmen. Am 14. Januar eines jeden Jahres gedachte man in einem Anniversarium (Jahresgedächtnis) des ersten Ritterhauptmanns der Genossenschaft und seiner Frau, des Grafen Johann Wilhelm von Mirbach und der Gräfin Antoinette, geb. von Wolff?Metternich?Gracht.
Einen weiteren Höhepunkt während des Schuljahrs bildete der Geburtstag des Königs Wilhelm. Ihm zu Ehren hielt die Akademie nach einer Dankmesse einen "Schulactus" ab, bei dem ein Lehrer der Anstalt über das Königshaus zu sprechen pflegte. Das Schulprogramm des Jahres 1864 weiß z.B. zu berichten, daß bei dieser Gelegenheit der "Ordentliche Lehrer" Herr Dr. Wiel über die "Heiligkeit der Königlichen Würde" eine Festrede hielt.
Während des Monats Mai, nach mehrmonatiger Vorbereitung, vor allem durch die Religionslehrer der Akademie, die in der Regel Priester waren, feierten die Zöglinge die erste hl. Kommunion.
Dabei führte man die Jungen in einer feierlichen Prozession, der sich alle Schüler der Akademie anschlossen, zur Kirche. Festlich gestalteten sich auch die jährlichen Abiturabschlussfeierlichkeiten.
Nach einem Danksagungsamt in der Schlosskapelle fand jeweils nachmittags die Verabschiedung in der Schule statt.
Von den ehemaligen Schülern der Akademie fielen 5, insgesamt 42 zeichneten sich im Kampf so aus, daß sie das Eiserne Kreuz erhielten.
Am 28. Mai des Jahres, so weiß die Chronik zu berichten, fiel der Unterricht wegen "der allgemeinen Landesfreude über die glückliche Rettung Seiner Majestät ... aus Lebensgefahr aus ..." . Hier wird Bezug auf die Attentatsversuche genommen, die Bismarck wenig später zu seiner Sozialistengesetzgebung einen Vorwand lieferten.
Ausgewählte Abiturthemen der Jahre 1864 - 1884 in Deutsch und Mathematik
Deutsch
1864: Der Mensch - der Herr seines Schicksals
1865: Der Mann ist wacker, der, sein Pfund benutzend, zum Dienst des Vaterland's kehrt seine Kräfte
1866: Von der Stirne heiß rinnen muß der Schweiß, soll das Werk den Meister loben; doch der Segen kommt von oben
1867: Der Nähr-, Lehr- und Wehrstand bedürfen und ergänzen einander
1868: nicht bekannt
1869: Worin besteht der Werth des Fleißes?
1870: Hochmut kommt vor dem Falle
1871: Verdienste Karls des Großen
1872: Heldenmut beweist nicht allein der Krieger
1873: Warum sind wir dem Alter Achtung schuldig?
1874: Nur in der Arbeit gedeiht des Einzelnen und der Völker Wohlfahrt
1875: Inwiefern bildet Karthagos Zerstörung einen Wendepunkt in der römischen Geschichte?
1876: Welche Ursachen führten die Blüte und den Verfall der mittelhochdeutschen Literatur herbei?
1877-1878: Warum nennt Cicero die Geschichte mit Recht eine magistra vitae?
1878-1879: Dem Enkel schattet das gepflanzte Reis
1880-1881: Einfluß des Landes auf seine Bewohner
1881-1882: Beisterung ist die Quelle großer Taten
1882-1883: Das Verdienst der Ahnen, ein Schutz und eine Gefahr für die Enkel
1883-1884: Vieles Gewaltige lebt, doch nichts ist gewaltiger als der Mensch
Mathematik
1864:
Jemand wünscht, nach seinem Tode seinen zurückbleibenden Angehörigen 40 Thaler zu hinterlassen, und will zu diesem Zwecke an eine öffentliche Lebensversicherungs-Gesellschaft eine gewisse Summe zahlen. Wieviel hat diese Anstalt jährlich zu fordern, wenn sie gemnäß den Sterblichkeits-Registern als wahrscheinliche Lebensdauer der Versichernden 18 Jahre annimmt und die Zinsen 3 3/4 % betragen?
1869:
Man zeichne in einen gegebenen Kreis ein regelmäßiges Zwanzigeck
1874:
Es ist ein Kreis zu zeichnen, der eine der Lage nach gegebene Gerade in einem gegebenen Punkte schneidet
1876/1877:
Planimetrie:
In einem gegebenen Kreis ist ein gleichschenkliges Dreieck zu zeichnen, von welchem die Winkel an der Grundlinie vorgegebener Größe sind.
Stereometrie:
Wie groß ist der innere Durchmesser des Laufes einer Kanone, deren kugelförmiges Vollgeschoß 6 Pfund wiegt? 28 Kubizoll destilliertes Wasser wiegen 1 Pfund; spezifisches Gewicht des Eisens = 7,207
4. Das 50jährige Bestehen (Mai 1892)
Das 50jährige Bestehen der Akademie wurde am 18. Mai des Jahres 1892 festlich begangen. So beschloss die Genossenschaft im Frühjahr 1892, die Erinnerung an dieses Ereignis mit einer seiner Bedeutung würdigen Feier zu begehen. Ein Kuratorium aus Lehrern und Schülern wurde gebildet, das für die Vorbereitung des äußeren Rahmens der Feierlichkeiten zuständig war, während Mitglieder des Lehrerkollegiums für die wissenschaftliche und künstlerische Seite des Festes sorgen sollten.
Die Einwohner Bedburgs errichteten am südlichen Stadttor einen mächtigen Triumphbogen, der mit dem Fürstlich Salm'schen, dem rheinischen und dem westfälischen Wappen geziert war. Alle Häuser der Stadt waren mit Fahnen, Girlanden und Kränzen geschmückt.
Vor dem geschmückten Außentor des Schlosses erhob sich eine prächtige Ehrenpforte, die die von Efeukränzen umrahmten Zahlen 1842 1892 trug. Der am Eingang zum Innenhof errichtete Ehrenbogen wurde mit der Aufschrift "Heil Dir Jubilarin in Ehren" versehen. Ebenso schmückten künstlerisch ausgeführte Schilder und Ehrentafeln das Hauptportal, die Korridore und Säle des Schlosses. Ein Große Zahl von Gästen, darunter auch der Erzbischof und der Kultusminister Preußens, waren angereist.
Von da ab begann auf dem geräumigen Schloßhofe sich ein reges Leben zu entwickeln. So heißt es in der Jahreschronik: "Es war herzerfreuend zu sehen, wie Männer, denen das Haar schon ergraut und silberweiß war, Männer, die mit den höchsten Orden geschmückt, nach langer ruhmreicher Laufbahn sich unter Händeschütteln und Umarmen im alten Bedburg wiederfanden."
5. Baumaßnahmen um 1900
Die baulichen Maßnahmen im Schlossgarten machten gute Fortschritte Das neu erbaute Krankenhaus wurde fertig eingerichtet. Im Schloss selber fand der erste Aufzug seinen Platz. Mehrere Klassenzimmer erhielten neue Öfen und Acetylengasbeleuchtung. Das Oberlehrerwohnhaus rechts neben dem Eingang zum Schlosshof wurde niedergerissen, um Raum für den Bau einer angemessenen Wohnung für den Anstaltsleiter zu schaffen. Durch die Installierung der Gasbeleuchtung konnte der Unterricht in den Wintermonaten nunmehr regelmäßig um 8.00 Uhr beginnen. Die Schlafsäle und Waschsäle des Hauses erhielten im Schuljahr 1901 sogar elektrische Beleuchtung. Ein Jahr später, nachdem der Anstaltsleiter in das neue Dienstwohngebäude übergesiedelt war, wurden die im Schlosse frei werdenden Räume als Lehrerzimmer, Zimmer für die Erholung der Schüler und Wohnzimmer für die Schwestern, die den Haushalt und Krankendienst versahen, neu hergerichtet.
Im Schuljahr 1903/1904 installierte man im Anstaltsgebäude eine Niederdruck- Dampfheizung, die Anfang November in Betrieb gesetzt werden konnte. Durch eine Spende von 1000 M. durch den Ritterhauptmann Graf von Spee beschaffte die Anstaltsleitung 1909 ein neues Harmonium für die Schlosskapelle.
Die hölzerne Brücke über die Erft wurde durch eine Betonbrücke ersetzt.
6. Der 1. Weltkrieg und die Jahre bis 1939
Ausbruch des Krieges veränderte auch den Schulalltag der Akademie in einschneidender Weise. Für die Schüler, die drei Semester der Prima angehört hatten und in das Heer eintreten wollten, wurde vorzeitig die Reifeprüfung abgehalten. Darauf berief man im August 1914 alle Abiturienten sofort nach der bestandenen Reifeprüfung zum Wehrdienst ein.
Die Akademie verlor in diesem Jahr die Hälfte ihrer Schüler, da außer den 17 Primanern und 9 Unterprimanern auch 3 Obersekundaner und 5 Untersekundaner freiwillig zum Militär gingen. Vier Lehrer rückten ebenfalls ein. Das Isolierkrankenhaus der Anstalt wurde nunmehr Vereinslazarett der Malteser Genossenschaft. Die Pflege der Verwundeten übernahmen ein Geistlicher und die Schwestern des Krankenhauses.
Ehemalige oder noch studierende Schüler der Akademie fielen während des Kriegsjahres 1914; der Oberlehrer Lowartz, Leutnant des Reserve Infanterieregiments 69, musste ab September als vermisst gemeldet werden. Ihnen folgten in den Kriegsjahren bis 1918 viele weitere Schüler und Lehrer. Die Verluste, die der Krieg bis zu seinem Ende forderte, waren hoch und grausam.
Die Nachwirkungen des Krieges für die Akademie setzten sich noch bis Mitte er 20er Jahre fort. Die Versorgung der öffentlichen und privaten Schulen mit Lebensmitteln und Heizmaterial blieb zunächst unsicher. Bereits am 25. März 1922 musste das Schuljahr der Alumnatsanstalt geschlossen werden, da die Kohle und Kartoffelbelieferung nicht gewährleistet werden konnte.
Insgesamt verschlechterte sich die finanzielle Situation der Genossenschaft so sehr, daß über neue Wege der Fortführung der Akademie als Schule nachgedacht werden mußte. Ende Mai 1923 beriet ein Gremium, das sich u.a. aus Vertretern der Schulbehörde sowie des Kultus und Finanzministeriums zusammensetzte, in dem auch der Direktor der Schule, Dr. Max Gorges, vertreten war, über die schwierige Situation der Akademie.
Die Verhandlungen zielten darauf ab, die Akademie als Realgymnasium inklusive Internat weiterbestehen zu lassen, falls die Stadt Bedburg die 11 Verfügungen der vorgesetzten Behörden akzeptierte, und die Trägerschaft der Schule übernähme. Die Gemeinde erklärte sich bereit, das Gebäude und die dazugehörigen Liegenschaften zu verwalten.
Ende Juni verabschiedete sich die Genossenschaft durch den Kommissar des Kuratoriums von Lehrern, Eltern und Schülern.
Wegen unüberbrückbarer finanzieller Engpässe mußte im Oktober das Internat aufgelöst werden. Die Schüler, die nun keinen Wohnplatz mehr hatten, wurden seitdem in Bürgerfamilien beherbergt.
Die Gemeinde übernahm die Schullasten, sie erhielt 94 Morgen Land, das Inventar der Schule und des Internats und 6000 Reichsmark in bar. Die Gewerkschaft Union richtete den Schloßanbau für den Schulbetrieb ein. Somit war das Patronat der Ritterschaft endgültig erloschen und an die Stadtgemeinde Bedburg übergegangen.
Einheimische Schüler mussten pro Jahr der Schule ein Schulgeld in Höhe von 200 Mk, Auswärtige von 250 Mark bezahlen.
Ostern 1930, nachdem die letzten Gymnasialabiturienten entlassen worden waren, wurde die Umwandlung der Schule in ein Realgymnasium vollzogen.
Die räumliche Enge machte der Schule weiterhin Schwierigkeiten. Vor allem fehlte es bei weiter zunehmenden Schülerzahlen an Räumen für die Naturwissenschaften .
Mit dem Jahr 1933 kündigt sich die unheilvolle nationalsozialistische Epoche an.
Der Schuljahresbeginn wurde nicht mehr mit einem Gottesdienst eröffnet, sondern am 1. Mai eines jeden Jahres fand im prächtig geschmückten Schloßsaal die "Feier der nationalen Arbeit" statt. Nachmittags beteiligte sich dann das Lehrerkollegium geschlossen an einem Festzuge. Am 28. Juni "gedachte" man, wie es in dem Jahresbericht heißt, "des Schandvertrages von Versailles". Das Schuljahr schloß am 28. März mit dem "feierlichen Einholen der Fahnen". Auch die Themen der Deutschaufsätze dieser und der kommenden Jahre würdigen einem hohlen Hurra Patriotismus. Dies bestätigen Themen wie: "Gedanken zu den Begriffen ‚Volk, Nation und Staat'". "Zeichne ein Bild des Soldaten nach der Schrift ‚Der Krieg als inneres Erlebnis'". "Der nationalsozialistische Staatsgedanke". "Wie überwindet der Mensch den Raum?". "Warum feiern wir vaterländische Feste gerade mit Turnvorführungen?" etc.)
7. 1939 Verlegung der Schule von Bedburg nach Bergheim
Mit dem 1. April 1939 wurde die Städtische Oberschule für Jungen, ehemals Rheinische Ritter Akademie genannt, durch ministerielle Verfügung von Bedburg nach Bergheim verlegt.
Somit ist das Bergheimer Erftgymnasium direkte Nachfolgeschule der Rheinischen Ritter Akademie.
Am 27. März 1938 verabschiedeten sich das Lehrerkollegium und die Schüler der Städtischen Oberschule in einer besonderen Feier von der Verwaltung und der Bürgerschaft Bedburgs.
Die Braunkohlegesellschaft Neurath als Eigentümerin des Schlossgebäudes, in dem die Jungenschule untergebracht war, beanspruchte die Räumlichkeiten für sich. Nach fast hundertjährigem Bestehen dieser Schule auf Bedburger Boden wurde durch diese Verlegung das Bergheimer Schulwesen erheblich bereichert.
Am 18. April 1939 begann das Schuljahr mit einer Eröffnungsfeier der von Bedburg nach Bergheim verlegten Oberschule für Jungen. An der festlichen Veranstaltung nahmen neben den Vertretern des Amtes Bergheim auch die Vertreter der NSDAP teil.
Mit dem Ausbruch des 2. Weltkrieges veränderte sich das Leben in der Schule spürbar.
Dr. Kabza, der Direktor, und die Studienräte Dr. Frohn und Wolters wurden zum Wehrdienst einberufen. Studienrat Funke übernahm die Leitung der Schule.
Der Schulhof diente als Exerzierplatz der in der benachbarten Volksschule untergebrachten Truppe. Unterrichtskürzungen waren unausweichlich, da die Klassenräume nach Mittag jeweils den in den Volksschulen von Bergheim und in den Nachbarorten untergebrachten Soldaten zur Verfügung gestellt werden mussten.
In einer schlichten Feier mit einer Ansprache des kommissarischen Schulleiters Funke wurde die 1. Abiturientia, die in Bergheim ihr Abitur abgelegt hatte, am 11. März 1940 entlassen.
8. Weltkrieg
Im September 1940 kehrte Dr. Kabza aus dem Felde zurück und übernahm sofort wieder die Leitung der Schule. Zwischenzeitlich waren weitere Mitglieder des Lehrerkollegiums zum Wehrdienst einberufen worden. Es waren: Studienassessor Matenaar, und die Studienräte Dr. Frohn, Dr. Samson und Studienassessor Viebahn. Studienrat Dr. Samson wurde dann im März 1941 bereits wieder aus dem Militärdienst entlassen.
Die Schülerzahlen waren während des Schuljahrs 1940/41 ständig angestiegen.
Die Verlegung der Schule von Bedburg nach Bergheim erwies sich auch für Schüler als günstig, die, bisher im südlichen Kreise wohnhaft, nach Köln oder Düren gefahren waren.
Ein weiterer Zustrom von Schülern ergab sich durch die Aufnahme von Mädchen, als 1940 die private höhere Mädchenschule in Bergheim geschlossen wurde und 110 Mädchen der "Städtischen Oberschule für Jungen Bergheim Erft" überwiesen wurden.
Ende des Schuljahres 1940/41 zählte die Schule in 15 Klassen 498 Schülerinnen und Schüler. Zur Sicherstellung der Frühjahrsarbeiten in der Landwirtschaft mußten die Schüler ab Juni des Jahres nachmittags zum Rübeneinzeln eingesetzt werden, obwohl besondere Ferien dafür nicht gewährt wurden.
Die schwierige Lage während des Kriegsjahres machte es nötig, daß die Unter-richtsverteilung im Laufe des Schuljahres infolge von Einberufungen und Zuweisungen siebenmal neu aufgestellt werden mußte, die Stundenzahl der einzelnen Fächer immer weiterer Kürzungen bedurfte. Zum Schluß gab es täglich nur noch 4 Kurzstunden.
9. Dr. Kabza, langjährige und prägende Rektorpersönlichkeit
Die schwierigen Zeitumstände und der Wechsel der Anstaltsformen und des Ortes verlangten Dr. Kabza als Schulleiter ein besonderes Geschick und einen überdurchschnittlichen Einsatz ab. Alle Aufgaben erfüllte er mit großer Übersicht und solchem Erfolg, daß ihm die Anerkennung weiter Kreise der Bevölkerung zukam, nicht zuletzt auch durch seine politische Tätigkeit. Bis 1956, noch nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Schuldienst, bekleidete er das Amt des Bergheimer Landrats. Insgesamt stand er über 40 Jahre im Dienste der Jugend.
Nach dem Zusammenbruch 1945 war er maßgeblich am Wiederaufbau des Bergheimer Schulwesens beteiligt. Er gehörte zu den Schulleitern, die während des Nationalsozialismus dem Druck der Partei Widerstand entgegengesetzt hatten. In den Nachkriegsjahren gewährte er vielen Bergheimer Bürgern aktive Hilfe, so daß er bis auf den heutigen Tag gerade von unseren älteren Mitbürgern nicht vergessen wurde.
Dr. Kabza, mit dem Bundesverdienstkreuz und mit dem päpstlichen Silvesterorden ausgezeichnet, widmete sich Zeit seines Lebens nicht nur seinen pädagogischen und politischen Aufgaben, sondern war auch wissenschaftlich tätig.
10. 1950 bis 1980
Das Schuljahr 1959/60 bescherte Schulleitung, Eltern und Schülern ein frohes Ereignis. Nach den Sommerferien konnte am 12.8.1959 ein neu errichteter Schulflügel bezogen werden. Darin befanden sich 9 Klassenräume für den Mädchenzweig, ein Zeichensaal, ein Werkraum und weitere Nebenräume.
Außerdem war zwischenzeitlich der Altbau der Schule gründlich renoviert worden, der Schulhof hatte eine neue Teerdecke erhalten, und neue Toiletten und Sportanlagen hatten erstellt werden können. Der Gesamtaufwand für den Neubau und die Renovierungsarbeiten beliefen sich auf 900.000, DM. Während die Stadtverwaltung in den Jahren 1955 1957 wiederholt daran denken mußte, das Gymnasium zu schließen, weil die laufenden jährlichen Unterhaltungskosten so hoch waren, daß die Kommune sie alleine nicht tragen konnte, war der Erhalt des Gymnasiums durch den Neubau so gut wie gesichert. Außerdem wurden die anfallenden Finanzierungskosten zu einem nicht unerheblichen Teil durch das neu in Kraft getretene Schulfinanzierungsgesetz vom Land Nordrhein Westfalen übernommen.
Die 60er Jahre brachten überall in der Bundesrepublik ein Aufbegehren der Jugend gegen, wie sie glaubte, "übernommene Traditionsstrukturen" und "Verkrustungen" in unserer Gesellschaft. Diese Umbruchsstimmung ging auch an unserer Schule nicht spurlos vorbei.
Während sich einerseits Schulleitung und Lehrerkollegium durch ein breites Angebot von freiwilligen Arbeitsgemeinschaften bemühten, das Lernen in der Schule interessanter und zeitnaher zu gestalten, forderten viele Schüler eine größere Mitbeteiligung an den Unterrichtsinhalten und Unterrichtsformen. Konflikte blieben nicht aus.
Mit Schuljahresbeginn 1968/69 hatten sich 128 Schülerinnen und Schüler für die Sexten gemeldet, so daß die Schule um Neuzuweisung von Lehrern bitten mußte. Das erweiterte Lehrerkollegium präsentierte sich nunmehr in der Öffentlichkeit nicht mehr so geschlossen wie vorher.
Die in diesen Jahren verbreitete Unruhe in vielen geschäftlichen und staatlichen Bereichen führte auch dazu, daß sich im April 1970 eine offene Auseinandersetzung zwischen Lehrerschaft und Politikern der Stadt Bergheim ausgelöst durch hitzige Redegefechte bei der Wahlkampferöffnung zur Landtagswahl in der Bergheimer Stadthalle anbahnte. Da sich die Lehrerschaft der Schule durch eine Äußerung des Landrates brüskiert glaubte, kam es zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung zwischen jenem Politiker und dem Lehrerkollegium, die im Interesse von Eltern, Schülern und Lehrern Anfang des Jahres 1972 durch einen gerichtlichen Vergleich gütlich beigelegt werden konnte.
Im Spätsommer des gleichen Jahres verstarb plötzlich und unerwartet der Schulleiter, Herr Oberstudiendirektor Kaiser.
Dies bedeutete für das Gymnasium einen schmerzlichen Verlust, da es dem erfahrenen Verwaltungsfachmann und Pädagogen durch besonnene Eingaben beim Schulkollegium immer wieder gelungen war, übermäßige Härten wegen zu geringer Lehrerzuweisungen von Schülern und Kollegen abzuwenden.
Zum neuen Schulleiter wurde am 4.5.1973 der bis dahin am Frechener Gymnasium als stellvertretender Schulleiter tätige Friedrich Faßbender berufen.
Bei Amtsantritt sah sich Herr Faßbender mit einer Vielzahl von Problemen konfrontiert: Die Beförderung einer großen Anzahl von Fahrschülern war nur zu bewältigen, wenn die Verkehrsanbindung an den Schulort verbessert werden konnte. Unzulänglichkeiten im räumlichen Bereich der Schule machten es fast unmöglich, das Unterrichtsangebot in den Naturwissenschaften zu erweitern. Zudem zeigte sich gerade in diesem Fachbereich ein besonders ausgeprägter Lehrermangel. Bereits in den Schuljahren 1973/74 und 1974/75 konnten diese Problemkomplexe durch den frischen Elan des jungen Schulleiters einer Lösung zugeführt werden.
Bis zum Ende des Schuljahres 1973/74 konnte eine umfassende bauliche Umgestaltung des naturwissenschaftlichen Traktes erreicht werden. Ein Fachraum und der Vorbereitungsraum für die Biologie wurden in das Erdgeschoß des Neubaus verlegt.
Die Fachbereiche Physik und Chemie nutzten nunmehr die im Altbau frei gewordenen Räume. Darüber hinaus wurde im Erdgeschoß des Hauptgebäudes ein neuer zentraler Verwaltungstrakt mit geräumigem Lehrerzimmer und Bibliothek geschaffen.
Zwischenzeitlich wuchs die Schülerzahl auf 718 an. Daher mußte auch räumlich das Angebot für das Fach Sport verbessert werden. In Absprache mit der Stadt erreichte der Schulleiter, daß künftig neben der schuleigenen Sporthalle auch die Großturnhalle am Aachener Tor und das Hallenbad von den Schülern unserer Schule benutzt werden durften.
II. Das Erftgymnasium in den letzten zwanzig Jahren
von Oliver Großmann
1. Herausforderungen - das Erftgymnasium von 1980 bis 1997
Mit der Gründung des Gutenberg-Gymnasiums im Jahr 1970 hatte sich die Schullandschaft Bergheims nachhaltig verändert. Die neue Konkurrenzsituation zeitigte im Laufe der 70er Jahre einen enormen Rückgang der Anmeldezahlen am damals noch "Neusprachlichen Gymnasium". Im Schuljahr 88/89 waren nur 62 Sextaner angemeldet worden, so dass der Schule zeitweise die Zweizügigkeit drohte.
Erst im Laufe der 80er Jahre vermochte sich das Erftgymnasium allmählich wieder zu konsolidieren.
Der Zuspruch aus der Bergheimer Bevölkerung wuchs in einem Maß, dass zu Beginn dieser Dekade neue Baumaßnahmen notwendig erschienen. Diskutiert wurde gar der Abriss des Gebäudes und ein Umzug nach Bergheim-Thorr. Darüber schreibt Franzjosef Wiskirchen in seiner Chronik des Erftgymnasiums 1983: "War in der Bevölkerung, im Lehrerkollegium und bei Eltern und Schülern lange darüber debattiert worden, ob der Abriß des "alten Kastens" und der komplette Neubau der Schule in den Thorrer Wiesen nicht die vernünftigere Lösung sei, setzte sich schon bald bei allen Beteiligten die Erkenntnis durch, daß man eine Schule, die in ihrer Wohnumgebung fest verwurzelt ist, nicht einfach verpflanzen kann."
So kam es zur Erweiterung der Schule am angestammten Standort. Der Bau eines großzügigen Gebäudetraktes zwischen dem "Mädchentrakt" (Fertigstellung 1959) und dem Hauptgebäude (von 1939) trug den gestiegenen Raumbedürfnissen der Schule Rechnung.
Es wurden Fachräume für den naturwissenschaftlichen Unterricht und mehrere Klassenräume erstellt. Nachteilig erscheinen heute jedoch die engen und düsteren Gänge und der Tatbestand, dass ein Höhenunterschied zu den schon bestehenden Gebäuden durch einige Treppenstufen zu überbrücken war.
Auch wurde mit dem ‚Pädagogischen Zentrum' ein großzügiger Allzweckraum eingerichtet, der für Ausstellungen, Konferenzen, Theater- und Musikaufführungen, zuweilen auch für unterrichtliche Zwecke genutzt werden kann. Der neu gestaltete Schulhof, die Sport- und die Pausenhalle gaben der Schule ein neues Gesicht.
Bausubstanz und Raumsituation des Gymnasiums hatten sich mit dieser Erweiterung erheblich verbessert.
Nicht nur durch Baumaßnahmen versuchte sich das Erftgymnasium zu Beginn der 80er Jahre zukunftsfähig zu machen - auch hatte es den einschneidenden Veränderungen Rechnung zu tragen, die sich im Zuge der 60er und 70er Jahre innerhalb der Gesellschaft ergeben hatten. So waren mit der Bildungsreform der 70er Jahre zahlreiche Modifikationen, Reformen und Vorschriftenänderungen, die die äußere Organisation und die innere Ausgestaltung von Schule betrafen, erlassen worden.
Den ersten Höhepunkt dieser Reformbewegung markierte die Einführung der sogenannten "Differenzierten Oberstufe". Sie war 1973/74 durch die Mittelstufenreform, die ab der 9. Jahrgangsstufe auf einen einheitlichen Pflichtbereich von 28 Wochenstunden einen Differenzierungsbereich von vier Wochenstunden aufsetzte, vorbereitet worden. Je nach Gegebenheiten der einzelnen Schule konnten hier eine Sprache im Anfangsunterricht oder eine Kombination von zwei je zweistündig zu erteilenden Fächern angeboten werden. Ziel war dabei, die Schüler gemäß ihrer individuellen Interessen- und Begabungslage zu fördern und wahlfähiger und wahlsicherer zu machen.
Um diese pädagogischen Tendenzen zu erweitern, hatte die Kultusministerkonferenz der Länder im Jahre 1972 eine nahezu bundeseinheitliche Reformierung des gesamten Oberbaus der Höheren Schulen, der sogenannten ‚Sekundarstufe II', beschlossen. Es galt, möglichst früh individuelle Begabungsrichtungen ausfindig zu machen und sie bereits im Bereich der Schule zu pflegen und zu fördern. Das bedeutete eine weitgehende Spezialisierung auf wenige, dann aber im Abitur zur Prüfung anstehender Fächer, ohne dass jedoch das Postulat der Allgemeinbildung völlig aufgegeben worden wäre. Damit war organisatorisch nahezu die gesamte traditionelle Struktur der Oberstufe hinfällig geworden. Die Klassenverbände wurden zugunsten von Kursen aufgelöst, es verschwand der Klassenlehrer, der Kanon der Abiturfächer wurde variabel, in den sog. Mündlichen Fächern waren nun auch Klausuren zu schreiben, die Zeiteinheit des Schuljahres wurde in für sich geschlossene Halbjahre unterteilt, das traditionelle Notensystem in ein 15-Punkte-System umgesetzt, die Abiturordnung erheblich ausdifferenziert. Damit ging ein enormer Verwaltungsaufwand einher, der die personellen Ressourcen der Schulen stark beanspruchte.
Während der 80er Jahre geriet die Wahlfreiheit - gerade auch in Zeiten des Lehrermangels - immer stärker in Kontrast zur Organisierbarkeit. Viele der Reformen von 1972/73 wurden in den folgenden Dekaden weiter differenziert, modifiziert, manches auch zurückgenommen. So wird am Erftgymnasium heute - was gerade den vielen Zugängen aus den Real- und Hauptschulen entgegenkommt - die 11. Jahrgangsstufe wieder im Klassenverband unterrichtet; es sind wieder Pflichtfächer für die Qualifikationsphase und Abiturprüfung festgeschrieben. Überdies werden in Zukunft die Schulen mit Sekundarstufe II ein sogenanntes "Wahlprofil" erstellen, das die Wahlfreiheit des Schülers in erheblichem Maße einschränken wird. Damit werden entscheidende Neuerungen der Bildungsreform der 70er Jahre zurückgenommen.
Alle Reformen, zu denen man getrost noch als kleinen Akzent den neuen Namen unserer Schule - aus dem "Neusprachlichen Gymnasium" wurde 1981 nach langen Debatten von Lehrern, Eltern und Schülern das "Erftgymnasium" - zählen mag, konnten zwei schwerwiegende Probleme der 80er Jahre nicht aus der Welt schaffen: die Studienbeschränkung unserer Absolventen durch den Numerus Clausus und den Lehrermangel. Dieser führte zwar graduell unterschiedlich in den einzelnen Fachbereichen zu erheblichen Störungen und Belastungen des Unterrichtsgeschehens. Der Schulleitung war es aber immer wieder gelungen, Lehrer zu gewinnen, die unserer Schule den Lehrermangel überwinden und den Unterrichtsausfall auf ein Mindestmaß zu begrenzen halfen. Nicht zuletzt war dies auch der Bereitschaft eines großen Teils des Lehrerkollegiums zu verdanken, das teilweise bis zur äußersten Belastbarkeit zu Mehrarbeit- und Vertretungsstunden bereit war. Die Kurzlebigkeit mancher Erlasse und Vorschriften, ja sogar der Lernmittel, erschwerte kontinuierliches Arbeiten. Einige Stichworte der letzten Jahrzehnte sind: Schulmitwirkungsgesetz, Sprachlaborarbeit, Qualitätssicherung durch Fremdkorrektur von Klausuren, Einführung der Facharbeit, das Projekt ‚Selbstständige Schule', interdisziplinärer Unterricht, die Profilbildung in der Oberstufe, Schulprogrammarbeit. Bis in die Gegenwart hinein zwingen Reformen in immer kürzeren Abständen - nicht immer sinn- und pädagogisch wertvoll - die Schule zu ständiger Neuorientierung.
Den institutionellen Rahmenbedingungen zum Trotz entwickelte sich in den Jahren 1980 bis 1997 ein reges Schulleben am Erftgymnasium.
Ein Höhepunkt der Schulgeschichte war die Feier anlässlich des 150jährigen Bestehens im Oktober 1992. Nach dem deutsch-polnischen Festkonzert in der Stadthalle mit einem Danziger Schülerorchester öffneten sich samstags die Schultore für viele Ehemalige, Lehrer, Eltern, Förderverein und Schüler. Ein Wochenende lang blickte die Schule auf ihre lange Tradition und die Entwicklung von der Rheinischen Ritter-Akademie zum modernen Gymnasium zurück.
Im Jahr 1988 wurde erstmals eine Projektwoche abgehalten. Ziel war es, die Lebenswirklichkeit der Schüler stärker in den (Projekt-)unterricht einzubinden und deren Eigenaktivität anzuregen. Die Schüler arbeiteten in eigens zusammengestellten Gruppen über Themen, die sich besonders lokalen und künstlerischen Gesichtspunkten zuordnen ließen. Die Projektwoche schloss mit einem großen Präsentationstag im Rahmen eines Schulfestes ab. Noch heute erinnert ein großer Steinblock vor der Turnhalle an diese erste Projektwoche. Die Arbeitsgruppe von Herrn Thiem hatte dort "Kleinstlebewesen auf einem Steinbiotop" studiert.
In den Projektwochen öffnete sich Schule ihrem gesellschaftlichen, politischen, sozialen und ökologischen Umfeld. Während der zweiten Projektwoche 1990 widmete sich eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von Herrn Dr. Rink und Herrn Dr. Marre der Schadstoffbelastung auf Bergheims Kinderspielplätzen. Das Ergebnis der Studie erbrachte eine erhebliche Belastung der Spielplätze durch Schwermetalle und führte zu deren sofortiger Schließung. In der Aula der Schule kam es daraufhin zu einer hitzigen Podiumsdiskussion. Schließlich musste aufgrund des Projektergebnisses der Sand auf allen Spielstätten Bergheims ausgetauscht werden.
Weitere Projektwochen, 1996 mit dem Oberthema "Jugend in Bergheim" und 1998 unter dem Thema "Zukunft", folgten.
Auf Lehrer- und Schulkonferenzen wurde damals intensiv über die Sprachenfolge diskutiert. So stand 1986 der Vorschlag im Raum, das Fach Latein neben Englisch als erste Fremdsprache anzubieten. Damit sollte ein verbessertes Wahlangebot unterbreitet werden. Latein ab der 5. Jahrgangsstufe wurde in mehreren Schuljahren angeboten.
Lesewettbewerbe, Buchausstellungen und Literaturveranstaltungen organisierten die Sprachenlehrer. Bei "Literatur live mit Weihnachtsmäusen" zauberte der Jugendbuchautor Knister Geschichten von der Fliege Willi Wirsing aus dem Nichts hervor, so dass den Zuhörern "Hören und Sehen verging".
In den Achtzigern setzte das Erftgymnasium die große Tradition des Sprintstars und mehrfachen Deutschen Meisters Peter Hofmeister, eines ehemaligen Schülers, fort.
Die Dekade war der Höhepunkt großartiger sportlicher Erfolge für das Erftgymnasium. Besonders stark zeigte sich die Schule in den Sportarten Tennis, Fußball und Basketball. Unter Sportlehrer und Trainer Lessenich gewann die Basketball-Mannschaft die Landes-Meisterschaft. Einen großen Erfolg auf Landesebene war auch der neu gegründeten Judomannschaft beschert. Unsere Tennismannschaft der Jungen erreichte sogar den dritten Platz beim Endturnier auf nationaler Ebene in Berlin.
In den 80ern liegt auch der Beginn einer anderen Tradition: Es wurde der Brauch geboren, dass sich Abiturjahrgänge durch ein Denkmal auf dem Schulgelände "verewigen". So finden sich Sterne und Pyramiden, Micky Maus und Segelschiff auf dem Schulhof, sogar ein Galgen wurde von einem Abiturjahrgang aufgestellt. Nicht selten greifen die Plastiken oder Reliefs das Thema des letzten Schultags, des sogenannten ‚Abi-Gags', auf. Themen wie "Hollywood", "Europa", "Fernsehen" wurden von den Abiturienten plastisch umgesetzt.
2. Kontinuität und Öffnung - die Schule seit 1997
Mit Ende des Jahres 1997 ging eine Ära zu Ende: nach 24 Jahren Amtszeit wurde OStD. Friedrich Faßbender in den Ruhestand verabschiedet. Die Amtsgeschäfte verwaltete während der folgenden Interimsphase Frau StD' Schlang und als Vertreter Herr StD Portz. Schließlich wechselte im Mai 99 mit Dr. Franz-Josef Hummelsheim ein Mitglied des Lehrerkollegiums auf den Chefsessel. Dem neuen Leiter des Erftgymnasiums waren somit die schulpolitischen Verhältnisse Bergheims ebenso vertraut wie die schulinternen Probleme des Erftgymnasiums.
Der enorme Zulauf zum Erftgymnasium, der während der 90er Jahre eingesetzt hatte, hält unvermindert an. Zum laufenden Schuljahr 2002/2003 wurde eine nie zuvor erreichte Zahl von über 140 Anmeldungen registriert. Damit erhalten heute insgesamt 1001 Schülerinnen und Schüler ihre Gymnasialausbildung am Erftgymnasium. Trotz des gestiegenen Zuspruchs sowie der sich ständig steigernden ministeriellen Vorgaben wurde die Zahl der Lehrerstellen nicht erhöht. Dennoch hat in den letzten Jahren eine große Zahl junger Lehrerinnen und Lehrer viel zur Verjüngung des Durchschnittsalters des Gesamtkollegiums beigetragen. Dies hat zur Folge, dass in der Sekundarstufe I weiterhin ein breites Differenzierungsangebot möglich ist, dass eine große Zahl von Arbeitsgemeinschaften angeboten werden kann und dass ein reichhaltiges Fächerangebot in der Oberstufe garantiert wird.
Seit 1999 eröffnet das Erftgymnasium den Schülern der Sekundarstufe II die Möglichkeit, in einem Betrieb erste Erfahrungen mit der Berufswelt zu sammeln. Organisiert von Herrn Quirmbach und Frau Lüßgen besuchen die Schülerinnen und Schüler vor den Osterferien ihre Praktikumstelle. Die Schüler sollen die Institutionen und Betriebe kennen lernen, Einsichten in die Arbeitsabläufe, Tätigkeiten und Organisationsstrukturen im besuchten Berufsfeld erhalten. Das Praktikum wird vorbereitet und ergänzt durch den Berufsfeldtag und den Berufswahl- und Eignungstest.
In der Jahrgangsstufe 11 vermitteln Lehrer unter der Leitung von Frau Sauer fächerübergreifend methodische Schlüsselkompetenzen während einer mehrtägigen Methodenschulung. Die Lern- und Methodenschulung soll den Einstieg in die gymnasiale Oberstufe erleichtern. Neben Informationen zur Lernbiologie sind die Schüler dabei vorrangig selbsttätig im Training von Kommunikationstechniken, von Informationsverarbeitung und Textproduktion sowie Klausur- und Prüfungsvorbereitung beschäftigt.
Seit vielen Jahren wird im Schulchor und in der Songgruppe, in zwei Orchestern, Big Band und Instrumentalgruppen musische Bildung vermittelt. Einen besonderen Höhepunkt stellte in diesem Zusammenhang das 100. Schulkonzert am 20.3.1998 in der Stadthalle von Bergheim dar. Herr Weiler, ehemaliger Musiklehrer der Schule und Initiator der Schulkonzerte, befand sich an diesem Abend unter den Gästen.
Weiterhin wird auch die Tradition gepflegt, mit Schülern der verschiedenen Ensembles eine Probewoche auf dem Finkenhof in Blankenheim/Eifel zu verbringen. Die "Musische Woche", die von den Schülern als intensiv und bereichernd erlebt wird, endet üblicherweise mit einem Konzert der vielen Gruppen. Dort zeigen die Schüler unter der Leitung von Herrn Jäger (Chor), Herrn Welters (Orchesterleiter bis 2002), Herrn Hippmann (Juniororchester), Frau Siepen (Flötenkreis), Herrn Hamacher (Gitarrengruppe) und Herrn Dr. Hummelsheim (Big Band) stets ihr großes Können.
Konzertreisen führten die Musikgruppen des Erftgymnasiums in viele europäische Länder. Die Songgruppe, über viele Jahre geleitet von Herrn Jäger, besuchte 1987 England und wirkte an einer Rundfunkaufnahme der BBC mit. Sie maß auf der "Internationalen Singwoche" in Luzern ihr Können mit Chören aus verschiedenen Ländern. Auch diese Reise mündete in eine Rundfunkaufnahme. 1990 errang die Gruppe bei einem Wettbewerb in Belgien den zweiten Preis unter 120 Chören, im nordrhein-westfälischen Chorwettberwerb erreichte man einen beachtlichen vierten Platz.
Auch die Big Band ist seit ihrer Gründung im Jahr 1984 in Bergheim ein fester Begriff. Sie spielte noch 1989 in der DDR, später in Italien, Ungarn, Kroatien, Polen und mehrfach in Frankreich. Als "legendär" gelten ihre Teilnahme an der Fernsehshow "Kopf um Kopf", ein Auftritt im ungarischen Fernsehen und die Reise nach Petersburg.
Die musikalischen Bemühungen des Erftgymnasiums mündeten in eine erste Schallplatte mit dem Titel "Musik in Bergheim 1987". Es folgten weitere Veröffentlichungen, insbesondere der Big Band, die inzwischen ihre vierte CD auf den Markt gebracht hat. Im Oktober 1990 reisten 100 Erftgymnasiasten verschiedener Musikensembles und ihre Begleiter nach Spanien, um im Kloster Montserrat ein umjubeltes Konzert zu geben.
Große Erfolge verbuchte seit Mitte der 80er Jahre auch die Musical-AG unter der Leitung von Herrn Bittner. Die jüngsten Darbietungen waren 1999 "Touching Times" und 2002 das Musical "Hair". Langer und heftiger Applaus belohnte die jungen Schauspieler und Sänger für ihre Mühen und großartigen Leistung.
Die Theater-AG von Frau Schramm brachte im Jahr 2000 "Shakespeare-Shake oder: Hamlet und Julia rappen Othello" zur Aufführung. Das ehrgeizige Unterfangen war es, sämtliche herausragende Werke Shakespeares in jeweils 45 Minuten als vergnügliche Persiflage darzubieten. Die Schüler leisteten dies mit Bravour.
Einen besonderen Stellenwert nimmt die Partnerschaft mit der französischen Stadt Chauny und den dortigen Partnerschulen Lycée Gay Lussac und dem Collège Victor Hugo ein. Man mag die ursprünglichen Motive dieser Partnerschaft in europäischen Integrationsbestrebungen, im Versuch, nationale Rivalitäten abzubauen oder in der mehr oder weniger organisierten Möglichkeit des Kennen- und Sich-Verstehen-Lernens der deutschen und französischen Schüler sehen - immer liegt es vor allem am jungen Menschen, solche Verbindungen zu knüpfen und zu festigen, wenn sie überhaupt Bestand haben sollen. Es sind Schüler verschiedener Klassen und Altersgruppen, die eine Woche bei französischen Familien untergebracht sind, dabei ihre Sprachkenntnisse vervollständigen und vor allem den Lebensstil der Gastgeber kennen lernen. Dass Theater- und Museumsbesuche, Besichtigung kultureller Stätten, Teilnahme am Unterricht und nicht zuletzt schlichtes Ausspannen damit verbunden sind, versteht sich von selbst.
Weitere Fahrten führten unsere Schüler nach Köln und andere in der Nachbarschaft gelegenen Ziele oder auch bis in weit entfernte und entlegene Gegenden Europas. So besuchte das Erftgymnasium den Süden Spaniens ebenso wie das eisige Norwegen, wo die notwendige Winterausrüstung vor Ort noch angeschafft werden musste. Der östliche Balkan (Kroatien) und die Bretagne (Guidel) im Westen blieben nicht unentdeckt. Manche Sehenswürdigkeit besichtigten unsere Schüler, manch fremden Brauch oder ungewohnte Speise lernten sie kennen, manch persönlicher Kontakt oder gar Freundschaft wurde geschlossen. So versucht das Erftgymnasium, seine Perspektive zu erweitern und teilzuhaben am Geschehen in der Welt.
Daher hat die Schule auch die Patenschaft über eine in Afrika beheimatete Schule übernommen. In Lokogbo, einem Dorf in Benin (Westafrika), unterstützt die Schulgemeinschaft den Bau einer Grundschule, um den dort lebenden Kindern eine schulische Ausbildung zu ermöglichen. Herr Freihals organisierte im September 2001 einen "Sponsored Run", auf dem Schüler und Lehrer eine so große Zahl an Spenden erliefen, dass am Ende fast 40.000 Euro nach Afrika überwiesen werden konnten.
Wichtige Impulse für das Schulleben gehen von den etwa 30 Arbeitsgemeinschaften aus, die von den Lehrern in der Freizeit betreut werden.
Streitschlichtung, Gewaltprävention und Selbstbehauptung, Konflikttraining für Mädchen und Jungen stehen im Zentrum persönlichkeitsbildender Konzepte der Mittelstufe.
Die Naturwissenschaftler installierten sowohl die Sonnenuhr auf dem Schulhof als auch die Photovoltaikanlage, die eine elektrische Leistung von einer Kilowattstunde erbringt (das ist die elektrische Leistung, die zum Betrieb von zehn 100W-Lampen benötigt wird). Die Anlage dient nicht vorwiegend der Bereitstellung von elektrischer Energie, sondern trägt vielmehr zur Vermittlung des Unterrichtsstoffs im Bereich der konventionellen und alternativen Energieversorgung, besonders in den Fächern Physik und Technik, bei. Messdaten können über größere Zeiträume gesammelt und ausgewertet werden. Die gewonnene Energie wird in ein schulinternes bzw. in ein öffentliches Energienetz eingespeist.
Seit dem Jahr 2000 findet einmal jährlich der Fremdsprachentag statt. Ziel ist es, Sprachenvielfalt und -reichtum sichtbar zu machen, Nutzen und Vorteile sprachlicher Kenntnisse aufzuzeigen und zum Sprachenlernen zu motivieren. Spielerisch gehen die Schüler mit den erlernten Sprachen um und erkennen den Grundsatz: Sprachen öffnen Tore.
Im "Literaturcafé" werden die erworbenen Fähigkeiten im gemeinsamen Lesen, im Lesevortrag oder im Gespräch über Literatur vertiefend zur Anwendung gebracht. Ausdruck des christlichen Lebens sind die regelmäßigen Gottesdienste.
Ein Meilenstein - auch für Bildung und Unterricht - stellt die Entwicklung des Internets und die damit verbundene weltweite Vernetzung von Information dar. Die Digitalisierung und mehr noch die Möglichkeit, in der vernetzten Welt sekundenschnell Informationen über beliebige Themen recherchieren zu können, ist eine Herausforderung für die Schule. So wurden Unterrichtskonzepte für den Einsatz der neuen Medien in den einzelnen Fachbereichen entwickelt. Zugleich musste die Infrastruktur hergestellt werden, um den Zugriff auf Computer und Internet möglich werden zu lassen. In diesem Zusammenhang ist die Einrichtung zweier gut ausgestatteter und vernetzter Computerräume zu sehen.
Der Wunsch, auch in einem Neubau den veränderten pädagogischen Ansprüchen und dem abermals gestiegenen Raumbedarf Rechnung zu tragen, wurde Ende der 90er Jahre entsprochen. In ihm ist jederzeit sofortiger Zugriff auf das Internet möglich. Die Ausstattung dieses Neubaus läßt keine Wünsche offen: Die sechs Klassenräume, geräumig, verdunkelbar, Fußbodenheizung, sind insgesamt auf dem neuesten Stand der Technik. Alle Räume sind mit je drei Pentium-Prozessoren, Soundkarte sowie Drucker ausgestattet und an das Netzwerk des Hauptgebäudes und an das Internet angeschlossen. Sofortiges Recherchieren in der vernetzten Welt ist im Unterricht jederzeit möglich. Das neue Gebäude, das sich harmonisch in das Gesamtensemble eingliedert, wurde am 3. März 2001 feierlich eröffnet.
Wenn auch Funktionen und Wertigkeit des Internets für den Unterricht sich in Zukunft erst noch erweisen müssen, so finden besonders die schuleigenen Laptops Verwendung, indem Schüler heute ihre Referate mit Power-Point-Programm halten und Visualisierungen an die Wand des Klassenraumes beamen
Die "Gute Seele" der Schule sind die Sekretärinnen. Von "A" wie der Ablage zahlloser Unterlagen bis "Z", dem tröstenden Zuspruch an einen traurigen Schüler, müssen die Sekretärinnen viele Aufgaben erfüllen. Dabei gibt es immer etwas, das noch dringender zu erledigen ist als die soeben begonnene Arbeit. Über viele Jahre hat diese Tätigkeit die inzwischen in den Ruhestand verabschiedete Frau Renneke ausgefüllt. Heute widmen sich Frau Karcz und Frau Schmitz dieser vielseitigen Aufgabe mit Akribie, Weitsicht und Einfühlungsvermögen.
Für den tadellosen Zustand aller Räumlichkeiten und des Schulhofs ist der umtriebige Hausmeister, Herr Ketteler, verantwortlich.
3. Verführung zur Schule - die Zukunft des Erftgymnasiums
Die Schulkonferenz als höchstes Gremium der Schule hat am 13. Dezember 2000 "Maßnahmen zum Arbeitsumfeld Schule" beschlossen, die mit dem ersten Schultag des Jahres 2001 in Kraft traten. Darin wird als oberstes Ziel der respektvolle und freundliche Umgang aller am Schulleben Beteiligter genannt. Es wird auch hingewiesen auf pünktliche Teilname am Unterricht, saubere und ordentliche Erledigung von Hausaufgaben, Verantwortung des Schülers für seinen Arbeitsplatz bis hin zum Verbot gefährlicher Spielsachen und Gegenstände in der Schule.
Müssen heute wirklich Selbstverständlichkeiten dieser Art ins Gedächtnis gerufen werden? Der Konferenzbeschluss mag Ausdruck dafür sein, dass sich das Erftgymnasium bemüht, angesichts gewaltiger Veränderung in der Gesellschaft den Ausgleich zwischen Bewährtem und Neuem zu finden. Denn die Welt um Schule herum und die Lebenswirklichkeit der Schüler hat sich verändert. Deshalb muss sich auch der Lern- und Lebensraum verändern. Nicht erst seit Bekanntwerden der PISA-Studie im Jahr 2002 müssen die Unterrichts- und Erziehungsziele überprüft, modifiziert, den Umständen entsprechend angepasst werden. Vielleicht trägt das Ergebnis der PISA-Studie dazu bei, nach der langen Strukturdiskussion nun auch wieder die Inhalte des Unterrichts stärker in den Blick zu nehmen.
Das Erftgymnasium versucht, sich den modernen Anforderungen der Gesellschaft anzupassen, ohne dabei Bewährtes über Bord zu werfen. Alle Beteiligten - Lehrer ebenso wie Schüler und Eltern - sind gefragt, an diesem schwierigen Balanceakt mitzuwirken.
Weiterhin fühlt sich das Erftgymnasium verpflichtet, die Schülerinnen und Schüler darauf vorzubereiten, ihre Aufgaben in Partnerschaften und Familien, in Beruf und Gesellschaft verantwortlich mitgestalten zu können. Wir legen Wert auf eine Erziehung unserer Schüler, die die Entwicklung ihrer gesamten Persönlichkeit umfasst. Diesem Ziel einer ganzheitlichen Bildung und Erziehung dient vor allem der Unterricht in der ganzen Breite des Fächerangebots. Darüber hinaus ermöglichen wir den Schülern, ihre individuellen Fähigkeiten und Interessen auch im außerunterrichtlichen Angebot zu entfalten.
Unser Anliegen ist es, den Prozess der Identitätsfindung und die Entwicklung von Urteilsfähigkeit und Selbstwertgefühl als Mädchen oder Junge, als Frau oder Mann zu unterstützen. Vielleicht gelingt es am Ende, eine Harmonie herzustellen zwischen Selbstverwirklichung, den Ich-Tugenden wie Selbstbehauptung und Durchsetzungsvermögen, und den gemeinschaftsbezogenen Werten, den Wir-Tugenden.
Den konkreten Schullalltag sollen freundlicher Umgang miteinander, Rücksichtnahme und Selbstdisziplin, aber auch Eigeninitiative und Kreativität prägen. Hier hat der oben angesprochene und von der Schulkonferenz beschlossene Katalog seinen tieferen Sinn.
Wir hoffen, dass das Erftgymnasium auch in Zukunft eine Oase des Lernens sein wird!
4. Schulleiter seit 1939
1939 - 1952: Herr Dr. Alexander Kabza
1953 - 1972: Herr Kaiser
1973 - 1997: Herr Friedrich Faßbender
1997 - 1999: Frau Sophie Schlang-Spickernagel (kommissarische Schulleiterin)
seit 1999: Herr Dr. Franz-Josef Hummelsheim

