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Offene Afrikawoche 2011: Tagesbericht Montag, 4. Juli

"Hamjambo wanafunzi?" - auf diese ungewohnte Weise werden die Schülerinnen und Schüler der Klasse 5c am ersten Tag der Offenen Afrikaprojektwoche von der Referendarin Frau Knob begrüßt. Frei übersetzt lautet dieser Satz: "Wie geht es euch liebe Schüler?" oder "Habt ihr Probleme?". Die korrekte Antwort heißt: "Hatujambo bibi Knob:" "Wir haben keine Probleme Frau Knob." Damit haben die SchülerInnen schon auf ganz praktische Weise die ersten Worte in Suaheli gelernt.

Suaheli lernen ist eines der zahlreichen Workshopangebote der Projektwoche, die heute begonnen hat, und die am Samstag mit dem Fest der Begegnung und dem Sponsored Run endet.

Großes Gelächter kommt auf, als die Kinder hören, dass kaka Bruder und dada Schwester heißt. Man muss sich eben erst in die fremde Sprache einhören. Das gelingt natürlich am besten mit Musik und plötzlich entdecken die SchülerInnen auch Bekanntes: "Hakuna Matata/ Es gibt keine Sorge!" Mit dem Musical und Film der "König der Löwen" haben sich unbewusst Wörter aus dem Suaheli in das Gedächtnis eingegraben. Daran knüpft Frau Knob an, indem sie die Namen der bekannten Figuren aus dem Film aufgreift und übersetzt. Die Klasse hat augenscheinlich viel Freude bei dem ersten Einblick in eine der zahlreichen Sprachen des afrikanischen Kontinents.

Die Freude an der Musik und ihren Bewegungsdrang kann die Klasse 6b im Trommelworkshop bei Awale Ouro Akpo, der aus Togo stammt, ausleben. Schnell wird klar, dass man nicht einfach nur auf die Dschembe "draufhauen" kann, sondern dass hinter dem Trommeln eine ausgefeilte Technik steht. Am Ende des Workshops harmonisieren 27 Trommeln wunderbar miteinander.

Ein internationales Filmfestival in Afrika mit "oscarähnlicher" Preisverleihung - nie gehört, oder? Die Blicke der Mitglieder des Grundkurses Englisch der Jgst. 12 drücken Überraschung aus, als die Bilder vom Filmfestival "Fespaco" in Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso, über die Leinwand flimmern. Die 1969 ins Leben gerufene Veranstaltung hat sich mittlerweile zu einem panafrikanischen Festival entwickelt, zu dem sich Filmschaffende aus aller Welt versammeln. Der Kurzfilm, den Christa Aretz von filminitiativKöln.e.V. als Einstieg für ihren Workshop zum afrikanischen Film gewählt hat, vermittelt einen Einblick in die Lebendigkeit und Vielfältigkeit afrikanischen Kulturschaffens. Die Eröffnung des Festivals vor 45.000 Zuschauern im Stadion von Ouagadougou zeigt das große Interesse der Bevölkerung. Anschließend gibt Frau Aretz anhand ausgewählter Kurzfilme einen ersten Einblick in die Vielfältigkeit der Themen des afrikanischen Films: "Deweneti" zeigt auf hintergründige und auch hoffnungsvolle Weise das Leben eines Jungen, der auf der Straße lebt und durch Betteln seinen Lebensunterhalt bestreiten muss, der aber seinen Spendern auch etwas zurückgibt, nämlich Hoffnung auf die Erfüllung ihrer sehnlichsten Wünsche, indem er für sie betet und einen Brief an den Weihnachtsmann schickt.

"Subira" greift eine andere Problematik auf: den Rollenkonflikt eines jungen Mädchens zwischen der islamischen Tradition in ihrer Familie und dem Wunsch nach Selbstverwirklichung.

Das sehr aktuelle Thema Migration/Flucht nach Europa behandelt der Kurzfilm "Le Clandestin" (Der blinde Passagier). Im Stil eines Stummfilms stellt der Regisseur in satirischer Art und Weise die Erfahrungen eines afrikanischen Flüchtlings bei der Ankunft in Europa dar, wobei bewusst die Unterschiede zwischen Schwarzen und Weißen verwischt werden. So ist es der schwarze Polizist, der den Flüchtling quer durch die Stadt verfolgt, um ihn wieder abzuschieben.

Fünf Stunden intensiver Arbeit an und mit der Ausstellung "Die Dritte Welt im II. Weltkrieg" - das kann schon ganz schön "schlauchen". Die SchülerInnen des LKs Geschichte bei Frau Berg sind am Ende des Workshops mit Karl Rössel, dem Kurator der Ausstellung, müde, aber doch sicher, dass sie nun gut vorbereitet sind auf die Aufgabe der nächsten Tage, ihre MitschülerInnen aus anderen Kursen und die Gäste beim Fest der Begegnung durch die Ausstellung zu führen. Die Mühe hat sich gelohnt.

Astrid Toda lässt in verschiedenen Klassen wieder das Bild ihrer Arbeit im Benin entstehen. Die SchülerInnen erfahren aus erster Hand, wie sie im dort lebt und was mit dem Geld geschieht, das sie beim Sponsored Run „erlaufen". Die Vorstellung, dass die Kinder und die Eltern im Benin ihre Schule eigenhändig bauen, ist für einige doch überraschend. Über die Projektwoche verteilt wird sie in verschiedenen Klassen über ihre Arbeit und ihre Sicht Afrikas sprechen. ist eines der zahlreichen Workshopangebote der Projektwoche, die heute begonnen hat, und die am Samstag mit dem Fest der Begegnung und dem Sponsored Run endet.

Christoph Freihals, Projektleiter

Offene Afrikawoche 2011 Tagesbericht Dienstag, 5. Juli

"Ich auch", jeder möchte ein Täfelchen Schokolade haben, das Georg Wißkirchen vom Verein Kinduku zu Beginn des Workshops zum Thema Kakao/Fairer Handel verteilt. Erst auf den 2. Blick fällt einigen SchülerInnen der Religionsklasse 5c/d auf, dass sich diese Schokolade von der gewöhnlichen unterscheidet, die sie ansonsten essen. Auf dem Einpackpapier befindet sich das FAIRTRADE-Zeichen. Doch erst einmal muss geklärt werden, was Schokolade denn mit dem Thema Afrika zu tun hat. Sehr viel - wie sich im Verlauf der Stunde herausstellt. Der Hauptbestandteil Kakao wächst eben nicht bei uns in Europa, sondern kommt aus Ghana und der Elfenbeinküste. Georg Wißkirchen erläutert anhand von Bildern die Verarbeitung des Kakaos in Ghana, interessiert verfolgen die SchülerInnen wie viele Arbeitsschritte notwendig sind, damit der Kakao nach Europa verschifft werden kann. So viel Schufterei für unser süßes Vergnügen! In einem Kurzfilm von der Elfenbeinküste wird erklärt, dass z.T. Kinder als Sklaven auf den Plantagen arbeiten müssen, bzw. nicht zur Schule gehen können, da sie beim Kakaoanbau helfen müssen.

Ratlose Gesichter - daran denkt keiner, wenn er seine Lieblingsschokolade isst. Das FAIRTRADE-Zeichen garantiert, dass man diese wirklich genießen kann, da die Kakaoanbauer faire Preise erhalten, die Skaverei verhindern und den Kindern ermöglichen zur Schule zu gehen.

In der nächsten Klasse steht African Gospel auf dem Programm. Hier kann Georg Wißkirchen auf seine jahrelange Erfahrung als Chorleiter von KINDUKU zurückgreifen und schon bald ertönt das ghanaische Lied Gye no di im Musikraum und die SchülerInnen tanzen im Takt der Trommel dazu.

"Welche Gedanken habt ihr, wenn ihr das Wort Afrika oder Südafrika hört? Schreibt doch mal eure spontanen Assoziationen auf." Der Grundkurs 12 Pädagogik lässt sich nicht lange bitten. Schnell ist die Flipchart voll geschrieben. Frau Morgenrath, Referentin des Projektes "Bildung trifft Entwicklung", knüpft an die Vorstellungen der SchülerInnen an und hinterfragt, woher diese stammen. Die Medien spielen eine große Rolle bei der Vermittlung unseres Afrikabildes, wobei die SchülerInnen bald kritisch anmerken, dass dieses Bild häufig sehr einseitig ist. Auf die Frage nach der Begegnung mit afrikanischer Literatur kommen einige zögerliche Antworten, wobei aber eine Schülerin sich schon in die Problematik Südafrikas anhand einer Autobiographie von Nelson Mandela vertieft hat. Für die meisten Mitglieder des Kurses ist dieses Thema aber Neuland. Frau Morgenrath stellt einige afrikanische Autoren vor und greift dann den Roman Themba von Lutz von Dijk heraus. Der in den Niederlanden geborene van Dijk lebt seit 10 Jahren in Kapstadt. Dort hat er die Stiftung HOKISA für von HIV/AIDS betroffene Kinder und Jugendliche gegründet. Der Umgang mit HIV/AIDS ist auch das zentrale Thema seines Romans. Die Referentin liest einige Passagen vor, die deutlich machen, dass die Immunschwächekrankheit lange Zeit ein Tabuthema in der südafrikanischen Gesellschaft war und z.T. noch ist. Am Beispiel des 15-jährigen Themba, der durch sexuellen Missbrauch mit HIV infiziert wird, der aber durch sein Fußballtalent bis in die südafrikanische Nationalmannschaft aufsteigt und sein Schicksal öffentlich macht, zeigt van Dijk, wie wichtig es ist, HIV/AIDS nicht zu tabuisieren, sondern Möglichkeiten zu bieten, mit der Krankheit zu leben.

Christoph Freihals, Projektleiter

 

 

Offene Afrikawoche 2011 Tagesbericht Mittwoch, 6. Juli

"Was passiert wohl, wenn man 'Ich liebe dich auf Afrikanisch' googelt?" Das möchte Mareike Limanski zu Beginn ihres Workshops zum Thema "Sprachenvielfalt Afrikas" von den Schülern wissen. Das Ergebnis ist überraschend: "Ek is lief vir you. Ek he you lief." Das klingt ja wie Niederländisch. Das bestätigt sich beim Vergleich verschiedener europäischer Sprachen, wobei sich unterschiedliche Verwandtschaftsgrade zeigen. Frau Limanski lüftet das Geheimnis: das Googleergebnis ist nicht Afrikanisch, sondern Afrikaans, die Sprache der Buren, der aus den Niederlanden nach Südafrika eingewanderten weißen Bevölkerung. Afrikanisch gibt es nicht, das wird schnell deutlich, als die Referentin eine kleine Auswahl verschiedener afrikanischer Sprachen präsentiert und die SchülerInnen verblüfft deren Vielfältigkeit und Unterschiedlichkeit wahrnehmen. Mit Bedauern wird am Ende der Stunde klar, dass 45 Minuten viel zu kurz sind, um auch nur einen Bruchteil der Sprachenvielfalt Afrikas zu erfassen.

Mancher Kinobesitzer wäre froh, wenn seine Filme annähernd so gut besucht wären wie die Vorführung der Verfilmung des Romans Themba in der Aula. Man muss sich erst an die langsame Erzählweise des Filmes gewöhnen. Es ist kein "action-Kino" a la Hollywood, sondern die Regisseurin Stefanie Sycholt nimmt sich Zeit, die Geschichte des jungen Fußballers Themba zu erzählen, der durch den sexuellen Missbrauch durch seinen Onkel mit HIV infiziert wird und die Tabuisierung der Krankheit nicht mehr akzeptieren will. Ausgedehnte Landschaftaufnahmen lassen erahnen, warum die Südafrikaner von ihrem Land als "God's own country" sprechen. Der Film lässt Raum für die Darstellung der Probleme des Alltags, die weite Teile der schwarzen Bevölkerung in der Post-Apartheid-Ära haben. Er vermittelt aber auch die Hoffnung auf Veränderung. Mit Hilfe des pädagogischen Begleitheftes zum Film vertiefen die Klassen nach der Vorführung die Auseinandersetzung mit der Thematik des Filmes.

In Zusammenarbeit mit der Pfarrgemeinde St. Remigius findet um 20.00 Uhr ein afrikanisches Abendlob in der Georgskapelle in Bergheim statt. Angelehnt an den Aufbau einer Vesper wagt der Chor Kinduku den Brückenschlag zwischen Kirche in Deutschland und Kirche in Ghana. Die Melodien der Gospels aus Ghana laden zum Mitsingen und Mittanzen ein und die Besucher stimmen begeistert in den Gesang des Chores ein. Die fremde Sprache ist kein Hindernis, drückt sie doch den gleichen Lobpreis Gottes aus, zu dem sich gläubige Menschen auf der ganzen Welt versammeln. Der Abend klingt mit einem nachdenklichen Gespräch über Chancen und Probleme im interkulturellen und interreligiösen Dialog aus.

Christoph Freihals, Projektleiter

 

 

Offene Afrikawoche 2011: Tagesbericht Donnerstag, 7. Juli

Patricia Eckermann und Julia Rieve beginnen ihr Seminar mit Ausschnitten aus der Dokumentation "Pagen in der Traumfabrik". Schnell wird hier deutlich, dass die vorherrschenden Stereotype von Schwarzen in den deutschen Medien historisch gewachsen sind. Es geht um Kolonialpolitik, um die Besetzung des Rheinlands nach dem 1. Weltkrieg durch schwarze, französische Soldaten und um die Verfolgung und Ausbürgerung schwarzer Deutscher in der Nazizeit. Deutschsein und Schwarzsein scheint nach wie vor tief in den Köpfen ein Paradox zu sein, denn die meisten schwarzen Schauspieler spielen Rollen von Ausländern, von Fremden. Patricia Eckermann spricht im Gegensatz dazu ganz offen über ihr eigenes Selbstverständnis als schwarze Deutsche. Aber das ist nicht das einzige Stereotyp, das die Jugendlichen kennen lernen. In Spielfilmausschnitten aus "African Race" oder "Im Brautkleid durch Afrika" werden Schwarze z.B. als "Exoten" gezeigt. Themen wie Voodoo, Kannibalismus, wilde Sexualität können damit verbunden sein. Filmausschnitte aus "Stürme in Afrika", "Traumhotel Afrika", "Endloser Horizont" oder "Mein Herz in Afrika" zeigen das Verhältnis zwischen Schwarz und Weiß als ein Machtverhältnis zwischen Diener und Herrn. "Mrs. Peterson bringt uns allen etwas bei. Sie ist sehr lieb.", sagt hier eine schwarze Angestellte über ihre Chefin. "Die redet total naiv, wie ein Kind!", beurteilt ein Schüler die Szene.

In manchen Klassen kommt Unsicherheit auf. "Ist das jetzt rassistisch?" Viele interessante Diskussionen über in der Gesellschaft existierende Vorurteile schließen sich an."Die Verwendung von Stereotypen ist oft nicht böse gemeint, hat in der Logik der Geschichte sogar einen Sinn", lernen die Schüler. Stereotype helfen, Informationen schnell zu erfassen und einzuordnen. "Aber wenn man bei diesem festen Schubladendenken bleibt und die Bilder nicht hinterfragt, ist gut gemeint doch knapp daneben."

Michael Kofi Mensah lädt die SchülerInnen ein, seine Gesten zum Märchen der vier bunten Vögel mitzumachen und die für sie ungewohnten Worte nachzusprechen. Anschließend schafft er es tatsächlich die Klasse in unterschiedlichen Rhythmen trommeln zu lassen, ohne dass das Chaos ausbricht.

Im Französischunterricht ein afrikanisches Märchen zu behandeln, ist eine willkommene Abwechslung zur üblichen Textauswahl des Lehrbuches. Rigobert Aiwanou lässt die Märchentradition seines afrikanischen Heimatlandes Benin in seinem Workshop lebendig werden und gleichzeitig schulen die Mitglieder des Kurses im Gespräch mit ihm ihr Französisch.

Der vierte Tag der Projektwoche endet mit einer Lesung des Autors Hermann Schulz, die in Zusammenarbeit mit der Stadtbibliothek Bergheim und der Literaturreihe „Stimmen Afrikas" des Allerwelthauses Köln organisiert wurde.

Christoph Freihals, Projektleiter

Offene Afrikawoche 2011 Tagesbericht Freitag, 8. Juli

Freitag 7.50 Uhr - ungewohnte Töne erklingen in der Kirche St. Hubertus in Bergheim-Kenten. Der wöchentliche Schulgottesdienst hat heute ein besonderes, weil afrikanisches Flair. Dafür sorgen die Mitglieder des Chors Kinduku (Freundschaft), die mit Musik aus Ghana in die voll besetzte Kirche einziehen. Aber an diesem Morgen gibt es kein Konzert, sondern Georg Wißkirchen, der Chorleiter, ermuntert zum Mitsingen und Mitfeiern im ökumenischen Gottesdienst. Begeistert schwenken die SchülerInnen zum Halleluja weiße Taschentücher, so wie es in Ghana üblich ist. Beim Glaubenslied "Gye no di" übertönen sie sogar den Chor, da sie diesen Song schon aus der jetzigen und auch von vorherigen Projektwochen kennen. Beim getanzten Friedensgruß, den die Chormitglieder in die Bankreihen tragen, wird etwas von der Lebensfreude und Lebendigkeit des Glaubens in Afrika spürbar.

Zurück in der Schule erwartet die SchülerInnen der letzte Workshoptag.

Solch eine hoch konzentrierte Atmosphäre und ungeteilte Aufmerksamkeit würde sich jeder Lehrer für seinen täglichen Unterricht wünschen. Es geht um das Thema "Freiwilligendienst im Ausland am Beispiel Afrikas". Die SchülerInnen erhoffen Antwort auf ihre Fragen bezüglich Organisation, aber auch Motivation für ein besonderes Lebensjahr. Teresa Schlummer vom Verein Kinduku erzählt zunächst im Rahmen ihres Workshops von ihren Erfahrungen während eines einjährigen Aufenthaltes in Uganda. "Man muss bereit sein, von den Menschen dort zu lernen. Mit meinem Wissen von hier komme ich nicht weit. Man muss fragen, wie macht ihr das? und nicht glauben, man könnte die Menschen belehren!" Das ist deiner der wichtigsten Erkenntnisse, die Teresa Schlummer den interessierten SchülerInnen mit auf den Weg geben möchte. Sie hat zwar als Lehrerin in einer der Schulen des Dorfes gearbeitet, aber um diese für sie ungewohnte Rolle ausfüllen zu können, war sie zunächst auf die Hilfe der Bewohner angewiesen. "Offenheit und Neugierde sind wichtig", antwortet sie auf die Frage nach den Voraussetzungen, die man für einen solchen Freiwilligendienst mitbringen muss. "Und natürlich die Bereitschaft, sich intensiv vorzubereiten in Kursen mit anderen Freiwilligen." Sie empfiehlt den SchülerInnen auch einige Organisationen und Programme, die einen Freiwilligendienst anbieten: Missionar auf Zeit bei unterschiedlichen kirchlichen Organisationen, weltwärts und Kinduku, dessen Angebot z.Zt. drei Stellen in Ghana umfasst. "Was denkt ihr? Wie ist es, wenn man wiederkommt?", möchte sie noch von den SchülerInnen wissen. Alle sind sich einig, dass man wohl nicht als derselbe Mensch wiederkommt, als der man aufgebrochen ist. "Der vielfach zitierte Kulturschock in der Begegnung mit Afrika stellt sich nicht bei der Ankunft, sondern bei der Rückkehr ein." Es ist nicht leicht sich wieder einzuleben. Man sieht die europäische Lebensweise mit kritischeren Augen. Ein einfaches Alltagsbeispiel macht das deutlich. Für die Menschen in Uganda ist es selbstverständlich sich zu grüßen und einige Worte zu wechseln, wenn man sich begegnet. So wird man in Deutschland dann oft eher komisch angeschaut, grüßt man fremde Menschen. Das freiwillige Jahr bietet viele Chancen, man lernt sich selbst besser kennen, manche Wünsche, Ziele verfestigen sich, andere verwirft man. "Afrika ist mein Zuhause", dieses Fazit, das Teresa Schlummer über ihren einjährigen Freiwilligendienst zieht, beeindruckt die SchülerInnen nachhaltig.

Mit den jüngeren Klassen suchen die Filmwissenschaftler Patricia Eckermann und Julia Rieve zum Teil einen neuen Ansatz, um über Stereotype von Schwarzen in den deutschen Medien zu sprechen. "Wie sieht es denn in Afrika eigentlich aus?", fragen sie die aufgeweckten Schüler. Die Antworten kommen wie aus der Pistole geschossen. Es geht um Steppe, Hütten, wilde Tiere. Dass diese Bilder im Kopf "Stereotype" heißen und unter anderem durch die einseitige Darstellung in deutschen Spielfilmen entstehen, verblüfft die Schüler. Im Vorspann von "Mein Herz in Afrika" sieht es aber wirklich so aus, wie es sich alle vorgestellt haben. Ausschnitte aus der Dokumentation "Weltreisen" zeigen die Städte Luanda und Nairobi allerdings in einem ganz anderen Licht - mit Hochhäusern, Luxusapartments, Städteplanern, Autobahnbaustellen und Tretbooten im Stadtpark. "So zivilisiert!" Damit haben selbst die jüngeren Schüler die binären Zuschreibungen von "Schwarz - Weiß" als "Unzivilisiert - Zivilisiert", die in den deutschen Medien meist vorherrschen, schnell durchschaut - und freuen sich über weitere Beispiele. Zum Beispiel aus dem Spielfilm "Buschpiloten", in dem Alexandra Neldel als Ärztin in Afrika gegen veralteten Voodoo-Glauben kämpft, aber auch aus der Werbung, den Printmedien oder "Deutschland sucht den Superstar".

Christoph Freihals, Projektleiter

 

 

Offene Afrikawoche 2011: Tagesbericht Samstag, 9. Juli

Fest der Begegnung und Sponsored Run

"Auf die Plätze- fertig - los!!!" 120 SchülerInnen der 5. Klassen können den Startschuss zum diesjährigen Sponsored Run kaum erwarten. Alle stürzen los, um die 5 km lange Runde möglichst schnell zu bewältigen und die nächste anzugehen, damit einerseits viel Geld für das Schulprojekt im Benin zusammenkommt und andererseits ein neuer Streckenrekord aufgestellt werden kann. Tatsächlich wird die bisherige Bestleistung von 25 Kilometern gleich mehrfach übertroffen, aber die neue Traummarke stellt Niklas Kühnapfel aus der 5c mit 35 Kilometern auf - ein Rekord für die Ewigkeit?!

Doch es geht an diesem Tag nicht nur um sportliche Höchstleistungen und Spenden, sondern auch darum gemeinsam zu feiern, sich zu begegnen und auszutauschen über die Erfahrungen während der Projektwoche. Außerdem werden den Eltern, Gästen, Ehemaligen und den SchülerInnen während ihrer Laufpausen noch einmal vielfältige Workshops angeboten: Stoffdruck mit Adinkra-Symbolen aus Ghana, afrikanische Frisuren knüpfen, Hennamalerei, Trommelworkshop und Führungen durch die Ausstellung „Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg".

Frau Toda und Mitglieder des Bildungswerkes Westafrika zeigen Bilder vom Leben im Benin und den bisherigen Schulbauprojekten. Außerdem bieten sie Kunsthandwerk und andere Produkte aus dem Benin, z.B. Marmeladen und Sirup an. So ergeben sich zahlreiche Gespräche über die Arbeit von Frau Toda, aber auch neue Einblicke in einen faszinierenden Kontinent.

Die Klasse 5b hat eine Präsentation zum Thema "Benin und seine Nachbarländer" vorbereitet. Der Chor des Erftgymnasiums unter Leitung von Herrn Jäger und die Bigband unter Leitung von Dr. Hummelsheim leisten einen musikalischen Beitrag und bringen das Pädagogische Zentrum zum Mittanzen und Swingen.

Zwischendurch drehen die Läufer aus allen Klassen und Kursen unentwegt ihre Runden, aber es bleibt immer noch Zeit sich zu stärken mit Grillgut, das der Förderverein zubereitet, mit Getränken, die die Schulpflegschaft anbietet, oder mit Kuchen, den die Eltern der Erprobungsstufe gestiftet haben. Es ist ein Fest der ganzen Schulgemeinde und bei allen Beteiligten besteht Einigkeit darüber, dass sowohl die Stimmung als auch das Engagement wieder großartig sind.

Zum Ende des Festes erklingen noch einmal afrikanische Rhythmen und Lieder des Chores Kinduku, die die Lebensfreude Afrikas spüren lassen.

Die intensive und spannende Vorbereitung und Durchführung der Projektwoche, des Festes der Begegnung und des Sponsored Run haben sich gelohnt. Die Rückmeldungen der SchülerInnen sind sehr positiv und die ReferentInnen der Workshops haben ihnen Erfahrungen mit dem afrikanischen Kontinent ermöglicht, die das manchmal etwas einseitige Afrikabild, das in manchen Köpfen - nicht zuletzt vermittelt durch unsere Medien - vorhanden ist, ein Stück weit verändert hat. Außerdem haben die SchülerInnen, KollegInnen und Eltern gemeinsam ein hohes soziales Engagement gezeigt, wofür ich mich auch im Namen von Frau Toda herzlich bedanken möchte. Auch wenn es manchmal nicht leicht ist und auch Überwindung kostet Sponsoren zu suchen und zu finden, ist es wichtig durch unsere Bemühungen ein Zeichen der Solidarität mit den Menschen im Benin zu setzen. 2013 geht es weiter, denn die Kinder im Benin brauchen unser kontinuierliches Engagement. Nur langfristige Unterstützung kann auf Dauer etwas bewirken.

Christoph Freihals, Projektleiter

Radiobericht zur Afrikawoche im Magazin "Himmel und Erde" von Radio Erft

Afrikawoche.mp3

Bericht aus der Kölnischen Rundschau vom 15. Juli 2011

Berichte zur Afrikawoche im Internet

www.nrw-denkt-nachhaltig.de/cms/front_content.php?idcat=238
www.nrw-denkt-nachhaltig.de/blog/?p=4230