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Pressespiegel zu Aktivitäten des Literaturcafés

 

 

Tiefe Gefühle, schöne Bilder

Wie bei einem Gelage am Baggersee sah es in Stadtbücherei aus, als die jungen Lyriker ihre Texte vortrugen.

Bergheimer Schüler überraschten mit Lyrik auf hohem Niveau. Der Literaturherbst zum Thema „Wasserwelten“ offenbart in diesem Jahr ganz Erstaunliches.


Von Anja Musick

Bergheim - Man muss nicht unbedingt alt und lebenserfahren sein, um weise Texte produzieren zu können. Das Tor zur Welt, in der die Schönheit der Sprache regiert, steht auch schon für ganz junge Menschen weit offen. Fünf Schülerinnen und ein Schüler des Erftgymnasiums haben sie mutig betreten.

Sie gehören der Literaturcafé-AG des Lehrers Philipp Schmolke an und präsentierten selbst geschriebene Gedichte und Kurzprosa im Rahmen des Literaturherbstes des Rhein-Erft-Kreises. Das Tor zu besagter Welt haben sie ein wenig geöffnet und etwa 60 Interessierte, die in die Stadtbibliothek gekommen waren, durften hinein blinzeln. Und was sie erlebten, erstaunte sie.

Da saß etwa Marion Seiche. Die 17-jährige Schülerin bewegte sich in der Welt der Worte nicht nur überaus sicher, sie schien vielmehr schon heimisch geworden zu sein. „Hydropicus“ heißt ein Gedicht von ihr. „Ich spüre ein Flüstern, ein Rauschen vom See, als ob er mich zu sich riefe. Es führte mich laufenden Schrittes zum See. Und zog mich hinab in die Tiefe.“ Sie las ihr Gedicht. Und die Menschen konnten es kaum fassen.

Wem ist sie da in der Welt der Worte begegnet? Hesse? Rilke? Irgendein wissendes Alter Ego muss ihr die Zeilen doch ins Ohr geflüstert haben. So trefflich sind sie gelungen, so mühelos plätschert der Rhythmus dahin, so eindringlich vermittelt sich der Inhalt, so brillant ist der sprachliche Zugriff.

Aufmerksam lauschte das Publikum auch Karolina Plachetko. Die junge Frau studiert schon, ist zum Literaturcafé ihrer alten Schule zurückgekommen. In ihrer Geschichte „Dekompressionskrankheit“ mischen sich nüchterne Informationen aus dem Sachbuch mit dem lyrischen Bericht einer zwischenmenschlichen Begegnung. Auch von derartigen Ereignissen kann man hinuntergezogen werden in Tiefen, die nicht mehr beherrschbar sind, in dunkle Wogen, die über dem Kopf zusammenbrechen.

Wunderschön war auch das, was Denise Knour, Laura Kuschnierz, Peter Haas und Sarah Frank vortrugen. Traumverloren, tiefe Gefühle spiegelnd, voller Bilder, Einblicke in junge Seelen gewährend, strahlend vor lauter Talent. Und alle Texte waren den „Wasserwelten“ gewidmet, dem Motto des diesjährigen Literaturherbstes.

Eine Dramaturgie und ein Bühnenbild hatten die junge Poeten ebenfalls entworfen. Der Bühnenbereich sah aus wie ein Gelage am Ufer eines Baggersees. Ein Windschutz stand da, ein Boot, ein aufgepustetes Krokodil. In der Bibliothek war es dunkel. Ein Projektor zeichnete Ozeanbilder an die Wand. Der Schüler, der gerade vorlas, knipste ein kleines Licht an. Mal kullerte ein Wasserball durch den Raum, mal spielte Marion Seichte zum Vortrag eines anderen Schülers leise Flöte oder Mundharmonika.

Am Ende waren alle begeistert, auch der Lehrer. Zur Inspiration sei er mit den jungen Leuten im Regen spazieren gegangen, habe an Flüssen und Seen gesessen. Dann seien die Worte geflossen. „Und ich bin immer wieder verblüfft, was dabei raus kommt.“

Quelle: Kölner Stadt-Anzeiger, 10. September 2008 <http://www.rhein-erft-online.ksta.de/html/artikel/1218660533548.shtml>

Gedichte und Geschichten zum Wasser

BERGHEIM. „Muss ich noch irgendwen aufheitern, sind alle mental fit“, fragte die 17-jährige Marion Seiche in die Runde, bevor sechs Teilnehmer der AG „Literaturcafé“ ihre Lesung in der Stadtbibliothek begannen. Sarah Franks Stimmung in Bezug auf Lampenfieber bewegte sich „nah an der Grenze“.

Sie machte den Anfang und trug mit fester Stimme ihr Gedicht über den Ozean vor. „Er ist alle Farben“, las sie und verglich den Ozean mit zerquetschten Trauben oder Glühwürmchen, am Ende jedoch sei er einfach nur blau. Mit dem Titel der Lesung „Wasserwelten“ hatten sich die Teilnehmer der Arbeitsgemeinschaft des Erftgymnasiums nach dem diesjährigen Thema des Literaturherbstes Rhein-Erft gerichtet. Seit 2001 gibt es die AG, in der Philipp Schmolke , der Deutsch und Englisch unterrichtet, Tipps zur Stilverbesserung gibt. „Wir lernen, wie wir genau das schreiben, was wir ausdrücken wollen“, so Seiche. Und das sollte möglichst interessant formuliert werden. Kreative Gedichte, Kurzgeschichten und Drabbles - kurze, pointierte Geschichten mit exakt 150 Wörtern - waren das Ergebnis der Vorbereitungen auf die Lesung. „Eigentlich haben wir erst vor zwei Wochen angefangen, die Gedichte zu schreiben“, so Seiche, die die 13. Klasse des Erftgymnasiums besucht. Von Ausflügen an die Erft oder wilden Wasserschlachten hatten sich die Nachwuchsdichter inspirieren lassen. „Wir sind auch einmal nachts im Regen über den Schulhof gelaufen - der Leidtragende war eigentlich immer Herr Schmolke, der uns dann nass nach Hause fahren musste.“

Der 15-jährige Peter Haas ist momentan der einzige Junge, der beim Literaturcafé mitmacht. Schmolke sieht den Grund im gesellschaftlichen Klischee: „Jungs machen Naturwissenschaften, Mädchen Sprachen.“ Haas brachte die rund 50 Gäste mit seinem erheiternden Gedicht über ein Erlebnis mit einer spritzenden Flasche Apfelschorle zum Schmunzeln. Seiche begleitete den Vortrag mit der Mundharmonika, am Ende des Gedichts ließ die 25-jährige Karo Plachetko ein Zischgeräusch ertönen. Auch das Outfit und die Bühnendeko hatten die Jugendlichen auf das Thema abgestimmt. In Bade- oder Strandoutfits machten sie es sich im Planschbecken oder Gummiboot bequem.

Originell waren ebenfalls die Vorträge von Seiche und Laura Kuschnierz . Im Nachrichten-Stil hatten sie ihre Texte verfasst, in denen das Wasser den Imagewechsel forderte - andernorts dürfe es sich schließlich auch „rot“ oder „tot“ nennen - und mit Streiks drohte.

Vom Kampf eines personifizierten Schwammes gegen das Wasser erzählte die 15-jährige Denise Knour . „Unglaublich kreativ“ fand auch Rita Höft , Leiterin der Stadbibliothek, die Umsetzung des Themas.

Quelle: Kölnische Rundschau 13.09.08 unter <http://www.rundschau-online.de/html/artikel/1218382122837.shtml>